Raum zum Trauern | Das vollständige Interview

📍 Lambrecht
📅 Erscheinungsdatum 26.09.2026

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„Interview-Serie: Vor Ort in Lambrecht – Unternehmen im Porträt“

Interview mit Stefanie Schnitzler – Inhaberin von „Raum zum Trauern“

Olaf Marquardt: Stefanie, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für dieses Gespräch nimmst. „Raum zum Trauern“ ist ein sehr berührender Name. Was bedeutet er für Dich persönlich?

Stefanie Schnitzler: Der Name ist bewusst gewählt. Trauer braucht Raum – zeitlich, emotional und auch gesellschaftlich. Oft funktioniert das Umfeld schnell wieder weiter, während der betroffene Mensch innerlich noch mitten im Schmerz steht. „Raum zum Trauern“ bedeutet für mich, diesen Prozess nicht zu beschleunigen oder zu bewerten, sondern ihn anzuerkennen. Jeder Mensch trauert anders – und genau dafür schaffe ich einen sicheren Rahmen.

Olaf Marquardt: Viele Menschen wissen gar nicht, wann sie sich Unterstützung holen sollten. Gibt es typische Situationen, in denen Du kontaktiert wirst?

Stefanie Schnitzler: Trauer ist keine Krankheit. Die allermeisten Menschen finden für ihre Trauer mit Hilfe ihres sozialen Umfeldes im Laufe der Zeit eigene Trauerwege. Es gibt aber Verluste, die schwerer zu bewältigen sind als andere. Das sind Verluste von Kindern, Verluste durch Suizid von Angehörigen oder plötzliche Todesfälle, vielleicht sogar ohne Abschiednahme. Für solche Umstände bin ich die richtige Ansprechpartnerin. Es muss aber nicht unbedingt jemand gestorben sein. Auch eine Trennung, eine lebensverändernde oder lebensverkürzende Diagnose oder ungewollte Kinderlosigkeit können Traueranlässe sein, bei denen Begleitung hilft. Solche einschneidenden Situationen lassen sich dann vielleicht leichter überstehen. Unterstützung darf zu jedem Zeitpunkt in Anspruch genommen werden – es gibt kein „zu früh“ oder „zu spät“.

Olaf Marquardt: Du begleitest nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche. Wie unterscheidet sich diese Arbeit?

Stefanie Schnitzler: Kinder trauern entwicklungspsychologisch anders. Wir sprechen von „Trauerpfützen“, weil sie in Gefühle hinein- und herausspringen und häufiger wechseln. Sie wechseln zwischen Spiel und Traurigkeit, zwischen Leichtigkeit und Ernst. Das ist völlig normal. In der Begleitung arbeite ich viel mit kreativen Methoden – Malen, Symbolarbeit, Geschichten oder kleinen Ritualen. Kinder brauchen eine altersgerechte Sprache und die Erlaubnis, ihre Gefühle auszudrücken. Wichtig ist auch die Einbindung der Bezugspersonen, damit das Umfeld versteht, wie Kinder mit Verlust umgehen.

Olaf Marquardt: Neben Einzelbegleitungen bietest Du auch Gruppen an. Welche Wirkung hat der Austausch unter Betroffenen?

Stefanie Schnitzler: Ich biete einmal monatlich eine offene Trauergruppe zu Preisen an, die sich jeder leisten kann. Ich habe eine private Trauerbegleitpraxis und weiß, dass sich eine Einzelbegleitung nicht jede und jeder leisten kann. Mir ist aber wichtig, dass Trauernde hier im Tal qualitativ gut begleitet werden und auch Menschen in vielleicht ähnlichen Situationen treffen können, um sich miteinander zu verbinden. Viele erleben so, dass sie mit bestimmten Gedanken oder Gefühlen nicht allein sind. Das schafft Verbundenheit. Gleichzeitig entsteht ein Raum, in dem jede Geschichte respektiert wird. In der Gruppe geht es nicht um Vergleiche, sondern um gemeinsames Erkunden von Trauerthemen oder auch um stabilisierende Impulse und Praktiken zum Kraftschöpfen.

Olaf Marquardt: Du arbeitest auch mit Ritualen. Welche Rolle spielen diese in Deiner Begleitung?

Stefanie Schnitzler: Rituale helfen, Unsagbares greifbarer zu machen. Sie geben Halt, weil sie Struktur schaffen und Übergänge markieren. Gerade in Zeiten, in denen innerlich vieles ins Wanken gerät, können solche bewussten Handlungen sehr stabilisierend wirken. Die Kunst besteht darin, ein Ritual zu finden, das zu den Trauernden und auch zu ihrer Beziehung zu den Verstorbenen passt und deshalb als hilfreich erlebt werden kann.

Olaf Marquardt: Welche weiteren Angebote gehören zu Deiner Arbeit?

Stefanie Schnitzler: Trauerbegleitung braucht Qualität. Deshalb bilde ich für verschiedne Hospizdienste in Deutschland Sterbebegleitende und Trauerbegleitende nach den Qualitätsstandards des Bundesverbandes Trauerbegleitung aus. Ich freue mich sehr, ab Januar 2027 auch eine Große Basisqualifikation Trauerbegleitung in der Pfalz anbieten zu können, in der Notfallseelsorgende oderMitarbeitende im Hospizdienst oder Personal aus Medizin und Pflege oder anderen psychosozialen Berichen lernen, Trauer kompetent zu begleiten. Für den Kinderschutzbund Neustadt an der Weinstraße/ Bad Dürkheim leite ich „tröhlich“, eine Gruppe für Grundschulkinder mit Verlusterfahrung. Und jedes Jahr am Volkstrauertag, das ist der 15. November, ist Tag der offenen Tür mit kostenfreien Angeboten in meiner eigenen Trauerpraxis, so dass man mich und den Ort unverbindlich kennen lernen und Trauer in Gemeinschaft erleben kann. Mir ist wichtig, dass es verbindungsstiftende trauersensible Angebote für Trauernde gibt wie zum Beispiel „Märchen am Feuer“ oder „Ohrenschmaus“.

Olaf Marquardt: Wie wichtig ist die Atmosphäre Deiner Räumlichkeiten für Deine Arbeit?

Stefanie Schnitzler: Sehr wichtig. Der Raum zum Trauern mit seiner Waldrandlage ist ein Schutzraum. Die Nähe zur Natur und das Spüren der Jahreszeiten ist für viele Trauernde entlastend. Viele Klientinnen und Klienten sagen, dass sie sich willkommen und geborgen fühlen – so, wie sie an diesem Tag eben da sind. Der Raum ist hell, offen und warm und kann von außen nicht eingesehen werden.

Olaf Marquardt: Wenn Du Deine Arbeit in einem etwas längeren Satz beschreiben würdest – was würdest Du sagen?

Stefanie Schnitzler: Ich begleite Menschen achtsam durch Zeiten des Verlustes und schaffe geschützte Räume für alle dabei auftauchenden Gefühle. Ich kann Fachimpulse geben und hilfreiche Angebote machen. Aber ich lerne auch von den Trauernden viel über das Leben und über die Spielarten der Liebe, und dafür bin ich sehr dankbar.

Olaf Marquardt: Stefanie, vielen Dank für dieses offene und wertvolle Gespräch.

Kontaktdaten:
Raum zum Trauern

Stefanie Schnitzler
Trauerbegleiterin BVT und Systemische Familientherapeutin DGSF
Östliche Luhrbachstrasse 32
67466 Lambrecht

Tel 0160 800 40 62
eMail: schnitzler@raum-zum-trauern.de
WEB: www.raum-zum-trauern.de

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Transparenzhinweis:
Dieses Interview ist Teil der Reihe „Vor Ort – Unternehmen im Porträt“. Die Veröffentlichung erfolgt redaktionell und ohne Vergütung oder sonstige Gegenleistung. Die veröffentlichten Bilder und Fotos sind Eigentum des Interviewpartners und wurden im Zusammenhang mit diesem Interview zur Verfügung gestellt. Die erforderlichen Nutzungsrechte für die Veröffentlichung auf Mittelpfalz.de wurden bestätigt.

Interview und redaktionelle Ausarbeitung:
Agentur Olaf Marquardt
Friedrich-Ebert-Straße 61
67433 Neustadt an der Weinstraße

Telefon: 0160 – 95 94 30 30
E-Mail: office@agentur-marquardt.de
Web: www.agentur-marquardt.de/interviews

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